Geld ist im Augenblick so günstig zu haben, wie selten zuvor. Die Kreditzinsen sind auf absoluten Niedrigständen und Banken müssen seit kurzem sogar für zu hohe Geldbestände Strafzinsen, also negative Zinsen an die Zentralbank zahlen. Dieses billige Geld hat aber nicht zu inflationären Tendenzen geführt. Von einer Überhitzung der Wirtschaft sind wir weit entfernt. Die niedrigen Zinsen helfen aber allen, die verschuldet sind. Sie bewirken vor allem, dass die südeuropäischen Eurostaaten, an ihren Schuldenbergen nicht zugrunde gehen. Die sehr niedrigen Inflationsraten beschwören ein anderes volkswirtschaftliches Schreckgespenst herauf: Deflation.

Bei Deflation steigen die Preise nicht wie bei der Inflation, sondern die Löhne und Preise beginnen zu sinken. Aus Verbrauchersicht klingt das erst einmal gut, da mehr für die gleiche Summe an Geld gekauft werden kann. Mittelfristig ist es jedoch für die Wirtschaft fatal, da sich für Verbraucher das Abwarten auf noch niedrigere Preise lohnt und nach und nach die Wirtschaft zum Erliegen kommt. Die Aussicht auf immer niedrigere Preise bedeutet, dass es in einer deflationären Volkswirtschaft besser ist, einen Kauf aufzuschieben. Somit ist in dieser Zeit derjenige ein Gewinner, der das meiste Bargeld besitzt. Deflation hat deshalb auch immer einen direkten Einfluss auf die Anlagestrategie.

Flucht ins Geld und Angst vor dem Wirtschaftskollaps

Geht man von einer Deflationsrate von drei Prozent pro Jahr aus, so ergibt sich eine jährliche reale Rendite von drei Prozent für alle Geldbestände. Und das ohne Risiko! Bei den Bundesanleihen sind bei sonst gleichen Rahmenbedingungen reale Vermögenszuwächse zu verzeichnen, die sich aus der Deflationsrate und den jeweiligen Renditen zusammensetzen. Etwas anders sieht es bei Aktien aus. Hier können die Anleger zwar kurzfristig auch reale Vermögenszuwächse erwarten, allerdings ist für den Erfolg einer Aktienanlage vor allem der Kursgewinn entscheidend.

Unternehmen werden bei einer Deflation jedoch zunehmend unter der rückläufigen Konsumneigung ihrer Kunden zu leiden haben. Deflationsbedingte Kostenrückgänge bei Unternehmen führen zu stark eingeschränkten Investitionen, da Umsätze vorwiegend zur Kostendeckung dienen. Geldanlagen in Form von Private Equity Investments sind somit in dieser konjunkturellen Phase noch risikobehafteter. Die relativ hohen Schuldenstände im Unternehmenssektor wirken sich negativ auf die Renditen aus. In der Deflation bleiben Geldforderungen eines Gläubigers in gleichem Maße bestehen. Während Preise, Löhne und der Wert von Sachwerten abnehmen, bleibt der Nennwert der Schulden unverändert. Ist die Inflation der Freund aller Schuldner, da sie die realen Schulden auffrisst, so ist die Deflation das genaue Gegenteil: Die realen Schulden steigen bei abnehmendem Gegenwert der Sachgüter.

Was die japanische Deflation lehrt

Ein Blick nach Japan macht die Auswirkungen der Deflation auf die Aktien deutlich. Dort herrschte in der Zeit von 1998 bis 2012 eine Deflation. Der japanische Aktienindex fiel zu der Zeit um über drei Prozent jährlich.
Auch der Immobilienmarkt leidet unter einem Preisverfall. Immobilienbesitzer verzeichnen rasch nach Ausbruch einer Deflation sinkende Mieteinnahmen und einen zunehmenden Wertverfall der Objekte. Im Umkehrschluss ist daher eine derartige Geldanlage nicht zu empfehlen. Weiterhin gilt Gold als Protektion in Zeiten einer Inflation vor sinkender Kaufkraft. Bei einer Deflation steigen hingegen die Goldpreise am Markt stark an. Den Mythos, dass man Goldanlagen in deflationären Phasen meiden sollte, revidieren jedoch viele Bankexperten. Da trotz des billigen Geldes auf dem Markt die Angst vor Inflation und des Zusammenbruchs der Wirtschaft allgegenwertig ist, ist dies ein Argument, dass Goldanlagen auch in Zeiten der Deflation Sinn machen können. Denn Gold dient als sichere und qualitative Währung – ungeachtet der wirtschaftlichen Lage des Landes.