Die aktuelle Frage, ob sie tatsächlich für Niedriglohn arbeiten, müssen sich heutzutage immer mehr unselbstständige Arbeiter und Angestellte mit einem Ja beantworten. Die Definition Niedriglohn ist recht eindeutig: Wenn das Einkommen eines sozialversicherungspflichtigen Volltagbeschäftigten kaum oder knapp über der Armutsgrenze liegt, dann wird er niedrig entlohnt. Die Armutsgrenze wird dort gezogen, wo die Armut beginnt; das ist eine finanzielle Situation, in der aus eigener Arbeitskraft der notwendige Lebensunterhalt dauerhaft nicht sichergestellt werden kann. Kurz formuliert: Niedriglohn reicht nicht zum Leben, und er ist nicht ausreichend, um eine Familie angemessen zu ernähren. Er liegt vielfach unterhalb der Pfändungsfreigrenze.

Niedriglohn und Mindestlohn

In der öffentlichen Diskussion werden verschiedenartige Begriffe verwendet. Während der Mindestlohn, losgelöst von seiner Höhe, gesetzlich geregelt ist, gilt das nicht für den Niedriglohn. Dort ist überhaupt nichts geregelt. Angebot und Nachfrage bestimmen das Lohngefüge beim Niedriglohn. Unter http://www.wirtschaft-suedwest.de/wirtschaft/ wird deutlich gemacht, wie verbreitet der Niedriglohn unter den bundesweit mehr als acht Millionen Beschäftigten tatsächlich ist. In den Jahrzehnten der sogenannten Vollbeschäftigung wären weder Mindest- noch Niedriglohn denkbar gewesen. Niedriglohn ist das Ergebnis einer langjährigen Schieflage zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt. Weil der Monatsverdienst des Hauptverdieners nicht ausreicht, um die Familie angemessen und dauerhaft zu unterhalten, müssen weitere Einnahmen generiert werden. Die einen stocken ihren niedrigen Lohn durch Transferleistungen auf, während in einem Familienverbund Angehörige zusätzlich arbeiten. Das geschieht dann erst recht zu einem Niedriglohn. Dabei handelt es sich um eine niedrig bezahlte Arbeit, die eine dementsprechend geringe berufliche Qualifikation erfordert.

Niedriglohn senkt die Arbeitsleistung

Wer nicht für eine Tätigkeit qualifiziert wird, von dem kann auch keine qualifizierte Arbeit erwartet werden. Die Arbeitgeber nehmen diese Situation mit ihren Niedriglohnangeboten bewusst in Kauf. Auf der anderen Seite gäbe es in vielen Bereichen diese Verdienstmöglichkeit gar nicht, wenn sie nicht zu diesen niedrigen Löhnen angeboten würde. Das Geld, in der Regel der Minijob, würde im Portemonnaie der Familie fehlen; unter anderem auch deswegen, weil der Lohn für den Hauptverdiener selbst ebenfalls zu niedrig ist.