Die EZB hat in der letzten Zeit des Öfteren Aufsehen durch die stetige Senkung des Leitzinses erregt und scheint dennoch nicht für stabilere Konjunkturprognosen sorgen zu können. Was das für deutsche Anleger bedeutet und welche Mechanismen hinter der Europäischen Zentralbank arbeiten, erläutern wir hier!

Die Europäische Nationalbank

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist seit dem ersten Januar 1999 für die Durchführung der Geldpolitik im Euro-Währungsgeschäft zuständig und somit verantwortlich für den zweitgrößten Wirtschaftsraum der Welt nach den Vereinigten Staaten. Beitreten konnten die EU-Mitgliedstaaten erst, nachdem sie spezielle Konvergenzkriterien erfüllten – diese legten fest, wie die wirtschaftlichen und rechtlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Teilnahme aussahen.

Die rechtliche Grundlage für die gemeinsame Geldpolitik basiert auf dem “Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft” und der “Satzung des Europäischen Systems der Zentralbanken und der Europäischen Zentralbank” – gemäß dieser Satz entstanden am ersten Juni 1998 sowohl die EZB als auch das Europäische System der Zentralbanken (ESZB), wobei die EZB als das wichtigste Organ des Eurosystems fungiert.

Die geldpolitischen Mittel der EZB

Die geldpolitische Strategie der EZB erfüllt zwei gleichermaßen wichtige Aufgaben: Sie stellt zum einen sicher, dass der EZB-Rat über Analysen und Informationen verfügt, um den politischen Entscheidungsfindungsprozess selbständig vorzugeben. Zum anderen soll sie der Öffentlichkeit erläutern können, wie und warum bestimmte geldpolitische Beschlüsse verabschiedet werden. So unterstreicht die EZB durch die Gewährleistung von Preisstabilität ihre Glaubwürdigkeit auf den Finanzmärkten – durch die Festlegung von kurzfristigen Zinssätzen beeinflusst sie die Wirtschaft maßgeblich und somit auch das letztendliche Preisniveau.

Für die Durchsetzung der Geldpolitik bedient sich die EZB eines Zwei-Säulen-Konzepts, welches die folgenden Perspektiven beinhaltet:

  • Die wirtschaftliche Analyse
  • Die monetäre Analyse

Bei der wirtschaftlichen Analyse handelt es sich um eine Beurteilung der kurz- und mittelfristigen Bestimmungsfaktoren der Preisentwicklung. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf realer Wirtschaftstätigkeit und Finanzierungsbedingungen in der Wirtschaft – die wirtschaftliche Analyse ist insofern wichtig, dass sie stets das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage im Blick behalten muss, um auf dieses reagieren zu können.

Die monetäre Analyse dagegen ist auf einen längeren Zeitraum ausgerichtet und behält insbesondere das Zusammenspiel zwischen Geldmenge und Preisen im Blick. Sie dient hauptsächlich dazu, die Erkenntnisse der wirtschaftlichen Analyse gegen zu prüfen und Hinweise für die langfristige Planung der Geldpolitik zu erhalten.

Aktuelles Einwirken der EZB auf den deutschen Finanzmarkt

Im Mai hat die EZB eine Senkung des Leitzinses in die Wege geleitet, welcher die Konjunktur ankurbeln sollte. Die insgesamt 0,25-prozentige Zinssenkung konnte allerdings nicht für den gewünschten Schub sorgen, denn noch immer befindet sich die Eurozone in der Rezession und auch die deutsche Wirtschaft schrumpft weiter. Für deutsche Anleger bedeutet die aktuell billige Liquidität der Zentralbank nichts anderes, als dass die Zinsen, die Kunden deutscher Banken derzeit auf ihre Spareinlagen erhalten, unterhalb der Teuerungsrate liegen und damit also reale Verluste darstellen. Des Weiteren befürchten Experten, dass die niedrigen Zinsen in den Industrieländern letztendlich auch die Bankenbranche selbst verändern werden – so wird es voraussichtlich nicht zu vermeiden sein, dass in einigen Bereichen weniger Personal benötigt wird.