Sei Juli 2018 sind für EU-Broker binäre Optionen verboten. Die europäische Finanzaufsicht ESMA hält sie für zu gefährlich. Private Anleger würden damit überwiegend Geld verlieren, so ihr Argument. Gibt es Möglichkeiten, das Verbot zu umgehen?

Was besagt das ESMA-Verbot?

Es besagt, dass EU-weit der Verkauf, die Vermarktung und der Vertrieb von binären Optionen nur noch an institutionelle Händler erlaubt ist, die strenge Voraussetzungen erfüllen müssen. Privaten Tradern, die mit einigen Hundert oder Tausend Euro handeln und nicht auf eine Berufslaufbahn in der Finanzwirtschaft verweisen können, dürfen die EU-Broker diese Instrumente nicht mehr anbieten. Es drohen sonst harte Sanktionen bis hin zum Lizenzentzug. Die Broker halten sich selbstverständlich daran. Für Trader ist das bedauerlich, weil sie natürlich am liebsten bei einem Broker mit EU-Lizenz handeln würden.

Wer ist die ESMA?

Die ESMA ist die European-Securities and Markets-Authority, also die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde. Es gibt sie seit 2011, sie legt die Leitlinien für die EU-Finanzmarktpolitik fest und hat die Aufsicht über nationale Aufsichtsbehörden wie etwa die deutsche BaFin. Strukturell ist sie in das ESFS (European-System of Financial Supervision, Europäisches Finanzaufsichtssystem) eingegliedert. Sie hat ihren Sitz in Paris und soll unter anderem Anlegerinteressen schützen. Etwas plakativ dargestellt ist sie in dieser Hinsicht eine Art Super-Verbraucherschutzorganisation für Finanzanlagen, allerdings mit der Vollmacht, auch Anweisungen zu erlassen und bestimmte Geschäfte zu unterbinden. Von diesem Recht macht sie nur sparsam Gebrauch, doch im Falle der binären Optionen (und der Hebel von CFDs) hat sie es genutzt.

Was sind binäre Optionen?

Nur für diejenigen Anleger, die sich noch nie damit befasst haben, wollen wir die binären Optionen erläutern. Diese sind Finanzinstrumente mit einem Ausgang, der nur zwei Möglichkeiten beinhaltet (daher “binär” für “zwei”): Entweder gewinnt der Anleger einen vorab festgelegten Betrag, oder er verliert seinen Einsatz. Die Gewinne sind sehr hoch, im Normalfall liegen sie bei einfachen binären Optionen zwischen 70 und 90 Prozent, sie können bei Spezialvarianten aber auch mehrere Hundert Prozent erreichen. Es gibt sie in verschiedenen Formen auf Anlagewerte aus praktisch allen Assetklassen (Indizes, Aktien, Rohstoffe, Forexwerte, Anleihen etc.). Die möglichen Formen sind unter anderem:

  • einfache Call- oder Put-Optionen auf steigende oder Kurse
  • Touch-Optionen, die beim Berühren einer Preisschwelle einen Superprofit generieren
  • Range-Optionen, bei denen der Kurs in einer gewissen Preisspanne auslaufen muss

Das sind nur einige der möglichen Varianten, es gibt noch mehr. Die binären Optionen können Laufzeiten von einigen Sekunden bis zu einigen Monaten haben. Aufgrund ihrer einfachen Konstruktion lassen sie sich sehr simpel auch vom Smartphone aus einbuchen. Wenn eine einfache Call-Option zum Beispiel 90 % gewinnen kann, dann genügt hierfür, dass sich der Kurs des Basiswerts nur um einen Punkt nach oben bewegt. Das ist für die Trader sehr reizvoll. Außerdem werden diese Optionen ohne Gebühren und Spread angeboten. Vielfach genügen wenige Euro, um so eine Option zu handeln.

Binäre Optionen außerhalb der EU handeln

Die privaten Trader aus der EU können natürlich weiter binäre Optionen handeln, nur nicht bei einem EU-Broker. Eine komplette Übersicht aller legalen Broker bietet der Broker Vergleich von binäre-optionen.info.

Eine Möglichkeit bietet beispielsweise der Broker Finmax mit Sitz in der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Er wurde 2015 gegründet und wird vom russischen FMRRC (Financial-Market Relation Regulation Center) überwacht. Das bedeutet, Trader handeln hier auch bei einem kontrollierten Broker, nur eben nicht mit einer EU-Lizenz. Finmax bietet binäre Optionen zu sehr vorteilhaften Konditionen an. Die Webseite steht auch auf Deutsch zur Verfügung, sie ist technisch per SSL abgesichert und trägt Siegel von “Best-of Binary Trusted Broker”, “Optitrader Trusted Broker” und “VeriSign Trusted”.

Weitere Möglichkeiten

Die Plattform Spectre.ai bietet das Trading in der Ethereum-Blockchain an. Auch sie ist nicht vom ESMA-Verbot betroffen. SPECTRE heißt Speculative Tokenized-Trading Exchange, auch hiermit lassen sich binäre Optionen handeln. Durch die Blockchain lassen sich die natürlichen Konflikte zwischen den Tradern und dem Broker als Market Maker von binären Optionen lösen, die der eigentliche Grund für das ESMA-Verbot sind. Daher ist SPECTRE ebenfalls eine Alternative für diejenigen, die weiter binäre Optionen handeln möchten. Die dritte Möglichkeit sind Alternativen, die ähnlich wie binäre Optionen funktionieren, aber keine solchen sind und daher auch nicht unter das ESMA-Verbot fallen. An solchen Lösungen arbeiten aktuell einige EU-Broker, darunter IQ Option (“FX Options“) und CMC Markets (“Digital 100s“).