Über das Home Office scheiden sich die Geister, insbesondere in den Konzernzentralen. Mitarbeiter lieben es, Chefs sehen es kritisch. Dabei gibt es immer mehr Fachkräfte wie auch Entrepreneure, die den Wert der Heimarbeit erkannt haben und wesentlich effektiver von Zuhause aus arbeiten. Denn Ablenkung und sinnfreier Zeitvertreib gibt es auch im klassischen Office.

Der Timer: Ihr bester Freund in Sachen „Getting Things Done“

Selbstständige, etwa Businessplanberater, sind oft mit engen Deadlines konfrontiert, was ihnen hilft, exakt zu wissen, was als nächstes zu tun ist: Nämlich zu verhindern, dass Liefertermine verpasst werden. Sobald man aber in ruhigeres Gewässer eintritt, verbringt man viel Zeit mit Aufgaben, die einem Spaß machen: man liest Nachrichten, surft auf Humorseiten und Facebook oder widmet sich dem Haushalt.

Eine Lieblingstechnik erfolgreicher Selbstoptimierer, um ein Abgleiten zu vermeiden ist es, mit einem Timer zu arbeiten: 30 Min. Arbeit, 10 Min. Pause zum Rausgehen oder Nachrichten lesen. Nach 3 dieser 40-Minuten Sets (also 2 Stunden), wird eine 1 stündige Aktivpause eingelegt, bei der man kochen, essen, einkaufen oder Sport treiben kann. Diese 3 Sets wiederholt man am Tag 3 bis 4 Mal. So kriegt man einiges erledigt, auch wenn mal nicht so viel Deadline-Arbeit ansteht.

Der Vorteil: Mit dem Timer im Nacken arbeitet man die Zeit, die man tatsächlich arbeitet (4-6 Stunden Minimalarbeitszeit bei diesem Modell) besonders effizient und konzentriert. Regenerationszeiten dehnen sich nicht zu sehr in die Länge. So kommt man leichter in einen Flow und macht auch mal ein Set mehr oder arbeitet weiter, selbst wenn die 30 Min. vorbei sind. Der Timer wird quasi zum Chef, den man glücklich machen will, indem man so viel wie möglich schafft in der verfügbaren Zeit.

Ablenkungen effektiv minimieren

Wichtig: Das Unangenehmste zuerst erledigen, dann sich selbst belohnen. So kommt man in eine Routine, die Prokrastination im Keim erstickt. Der Timer verringert bereits die Gefahren von SPON, Welt, Lieblingsblog und Browserspielen. Eventuell sollte man sich einen Website-Timer installieren wie StayFocusd für Chrome oder LeechBlock für Mozilla.

Auch muss man die Lieben daheim konditionieren, dass das Home Office ernst genommen werden muss. Hier kann es helfen, feste Zeiten für Mittagessen oder Nachmittagskaffee auszumachen. Wichtig auch: Alles sollte möglichst sauber und organisiert sein. Putzerei oder Hausarbeiten sollen innerhalb der Aktivpausen oder nach Feierabend erledigt werden, denn Home Office Arbeit profitiert von einer klaren Feierabendregelung.

Weitere Techniken zur Effizienzmaximierung

Die nächsten Tipps kommen teilweise aus dem Bereich des Life-Hackings, bzw. Optimierung der Gesundheit bei der Arbeit. Denn: Weniger externer Druck führt bei Home Office Adepten oft zu einem Leistungsabfall, dem man mit Management des Energiehaushaltes entgegenwirken kann. Arbeiten mit Überzeugung, Freude und Leidenschaft – ein Ideal, welches im Home Office aufgrund der theoretischen Abwesenheit von Störfaktoren und Launenverderber wie Kleiderzwang, Kollegen, Rush Hour Traffic und Kantinenessen erreichbar ist.

  • Möbel: Befolgen Sie alle Richtlinien zum ergonomischen Arbeiten, experimentieren Sie auch mal mit Arbeiten im Stehen. Investieren Sie in einen richtig guten Bürostuhl.
  • Ihre Beleuchtung: Versuchen Sie an trüben Tagen mit einer extrem hellen 4×4 Leuchtröhren- oder LED-Armatur direkt seitlich neben dem Arbeitsplatz Licht zu schaffen. Diese Armaturen werden üblicherweise zur Pflanzenzucht verwendet, bei Ihnen ersetzt diese Armatur das wachmachende Sonnenlicht. Ein Unterschied wie Tag und Nacht!
  • Nutzen Sie Spracherkennungssoftware, gute Hardware und testen Sie Gadgets wie Handscanner, Grafikdesign-Pad oder digitalem Kugelschreiber. Sie werden sich im Idealfall selbst überraschen, wie viel leichter oder freudiger Ihnen die Arbeit von der Hand geht.

Fazit: Es lebe das Home Office!

Keine Frage, Home Office braucht Vertrauen und das fällt für den Arbeitnehmer nicht vom Himmel – es muss erarbeitet werden. Die generelle Bereitschaft muss bei den Arbeitgebern jedoch sehr bald in wesentlich größerem Umfang als bisher vorhanden sein, sonst werden deutsche Konzerne immer mehr gute Köpfe an die rasant wachsende Nomaden-Community und clevere Techfirmen verlieren.