Die klassische Lebensversicherung als wichtigstes Element der privaten Altersvorsorge gerät zunehmend in die Schlagzeilen. Zum einen haben die Versicherer angesichts der anhaltenden Niedrigzinspolitik große Mühe, überhaupt noch die garantierte Verzinsung zu erwirtschaften, zum anderen halten viele Versicherte die Beitragszahlung bis zum Ablauf nicht durch. Ein reger Zweitmarkt für Lebensversicherungen hat sich daher in den letzten Jahren entwickelt.

Alternative zur Kündigung: Verkauf der Police

Wird eine Lebensversicherung vor Ablauf gekündigt, hat der Versicherungsnehmer Anspruch auf den Rückkaufswert zuzüglich der bis dahin erwirtschafteten Gewinne. Gerade in den ersten Jahren der Laufzeit sind die Rückkaufswerte in den klassischen Policen sehr gering, denn zunächst schlagen die Abschlusskosten, auch wenn sie über die ersten Jahre verteilt wurden, zu Buche. Bevor eine Kündigung ausgesprochen wird, sollte daher eine genaue Aufstellung der fälligen Zahlung vom Versicherer angefordert werden. Alternativ bieten sich nämlich Policen-Aufkäufer an, die zum einen die Beitragszahlung übernehmen und zum anderen den Todesfallschutz für die versicherte Person weiterhin zusichern. Der beim Ankauf fällige Preis sollte aber über dem Rückkaufswert des Versicherers liegen und unbedingt auf einmal ausgezahlt werden.

Zweitmarktanbieter genau prüfen

Die im Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen e.V. (BVZL) organisierten seriösen Policenaufkäufer warnen regelmäßig vor Mitbewerbern, die beim Policenankauf zunächst nur eine Abschlagszahlung anbieten, um dann einen dicken Bonus zu einem bedeutend späteren Zeitpunkt zu versprechen – allerdings unverbindlich, wenn die geschriebenen Bedingungen genau analysiert werden. Für Interessenten bietet es sich deshalb an, zunächst beim BVZL nachzufragen, welche Zweitmarktanbieter dort Mitglied und damit zu empfehlen sind. Grundsätzlich eignen sich aber nicht alle laufenden Lebensversicherungen zum Verkauf, zum Beispiel nehmen einige Policenankäufer nur Rückkaufswerte ab 10.000 Euro an oder achten darauf, das die Restlaufzeit nicht mehr übermäßig lang ist. Bei Fondspolicen oder Direktversicherungen ist der Verkauf von vornherein so gut wie unmöglich, aber auch bei einer privaten Lebensversicherung, wenn der Versicherer kein solventes deutsches Unternehmen ist.

Rasante Entwicklung des Policenankaufs

Wie der Bundesverband der LV-Ankäufer (BVZL) meldet, konnten im Jahr 2012 Lebensversicherungspolicen im Wert von rund 200 Millionen Euro aufgekauft werden. Offensichtlich wirken sich die aktuellen Probleme der Lebensversicherungsbranche, die zugesagten Renditen auch erwirtschaften zu können, negativ auf das Ansehen dieser einst so sicheren Form der privaten Altersvorsorge aus. Gerade die Diskussionen um Kürzungen der Ablaufleistungen bei einigen Versicherern, die insbesondere mit den alten Verträgen und der damals noch zugesagten Garantieverzinsung in Höhe von vier Prozent kämpfen, verunsichern Versicherte ungemein. Trotzdem sollte immer genau nachgerechnet werden, denn heutzutage noch sichere Geldanlagen in dieser Größenordnung zu finden, dürfte nicht leicht werden.

Verkauf von Lebensversicherungspolicen als Alternative zur Kündigung

Grundsätzlich wird eine Lebensversicherung mit einer langen Laufzeit abgeschlossen, um die Altersversorgung sicherzustellen. Gibt es aber gravierende Gründe, den Vertrag nicht mehr fortführen zu wollen oder zu können, ist der Verkauf der Police eventuell eine interessante Alternative zur Kündigung.